Teil 1: Ziele und Aufbau von Gebäudebewertungssystemen

Kurzbeschreibung: Die heutige, "zweite Generation" von Gebäudebewertungssystemen umfasst neben den klassischen Bewertungskriterien Ökologie und Energieeffizienz eine Mannigfaltigkeit weiterer Kriterien.

Der Nutzen von Gebäudebewertungssystemen als Werkzeug für die Qualitätssicherung wird betont. Drei Elemente, die jedes Gebäudebewertungssystem kennzeichnen, werden herausgehoben: die Auswahl angelegter Kriterien, die Bewertungsskala (welche Notenskala steht zur Verfügung) sowie das Gewichtungssystem für die einzelnen Kriterien.
Gebäudebewertungssysteme im Vergleich
Eine Serie in vier Teilen
Teil 1: Ziele und Aufbau von Gebäudebewertungssystemen

Christina Florit:
Mit dieser historischen Entwicklung kann man auch ganz genau sehen, dass in den letzten Jahren das Interesse an Gebäudebewertung und die Entwicklung neuer Bewertungssysteme explosionsartig gestiegen ist.
Die erste Generation hatte hauptsächlich einen Fokus auf Ökologie und Energieeffizienz und von den drei Säulen der Nachhaltigkeit wurde hauptsächlich nur eine bewertet, die ökologische Nachhaltigkeit.
Heutzutage sind wir schon in der zweiten Generation von Gebäudebewertungssystemen, und es werden alle drei Säulen der Nachhaltigkeit bewertet, soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit, und das umfasst den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes.
LEED, BREEAM, TQB, klima:aktiv . . . schon gehört?
Was verbindet diese Kürzel?
Dahinter verbergen sich Bezeichnungen für Systeme zur Bewertung von Gebäuden.

Seit Anfang der 1990er-Jahre gibt es derartige Systeme, mit Hilfe der Gebäude bewertet und auch ausgezeichnet, also zertifiziert werden. Am Anfang stand vor allem die ökologische Bewertung im Zentrum, also beispielsweise die Erfassung des Energieverbrauchs oder der CO2-Emissionen im Betrieb oder bei der Errichtung von Gebäuden.
Mittlerweile verstehen sich diese Systeme als umfassende Ansätze zur Bewertung von Gebäuden: Auch Kriterien wie beispielsweise Innenraumqualität, Standort- und Planungsqualität oder Lebenszykluskosten werden miterfasst.

Wir wollen mit diesem Beitrag versuchen, etwas Klarheit in die scheinbar verwirrende Vielfalt der Gebäudebewertungssysteme zu bringen.
Hinweisen möchte wir als Ergänzung zu diesem Beitrag auf das File "Ökologische Bewertung von Gebäuden" , denn - wie bereits erwähnt - spielen ökologische Kriterien eine wichtige Rolle bei Gebäudebewertungssystemen.

Wozu Gebäudebewertung?
Welche Ziele werden bei der Gebäudebewertung verfolgt?

Gebäudebewertungssysteme - manche mögen meinen: Schon wieder so ein überzogener systematischer Ansatz, schon wieder ein administrativer Aufwand.
Was will man bei einem Gebäude großartig nach einem System bewerten? Entweder es funktioniert, oder es funktioniert nicht. Ich plane schon seit Jahrzehnten, ich brauche so etwas nicht.

Mit diesem Argument der eigenen bewährten Erfahrung könnte man bei jedem Produkt gegen Qualitätssicherung wettern. Aber wer würde heute noch ein Auto, ein Elektronikgerät oder auch nur eine Industriesemmel kaufen, die nicht einem Qualitätsmanagementsystem unterworfen ist?
Fehler passieren einfach überall und gerade im Bau, alles andere wäre in den eigenen Sack gelogen.

Bewertungssysteme sind ein Hilfsmittel, nicht nur um Fehler zu vermeiden, sondern das bei gegebenen Mitteln Beste aus einem Bauvorhaben in Planung und Umsetzung herauszuholen und unter anderem auch Planungsgespräche mit dem Kunden zu optimieren.
Bewertungssysteme ersetzen keinesfalls persönliche Erfahrung sowie einschlägige technische Regelwerke, sondern helfen, diese bestmöglich zu nutzen.
Natürlich sind damit auch Kosten verbunden, durch die Zertifizierung je nach System auch hohe externe Kosten, sodass es Sinn macht, sich anzusehen, was an Bewertungssystemen aktuell angeboten wird, was man davon selbst einsetzen kann und wo man Spezialisten braucht.
Bisweilen besteht aber bei größeren Projekten gar keine Alternative, da der Kunde bzw. die Ausschreibung von vornherein ein bestimmtes Gebäudebewertungssystem vorschreibt.
Bei größeren Projekten ist dies mittlerweile schon mehrheitlich der Fall. Aber auch für Einfamilienhäuser macht ein Gebäudebewertungssystem Sinn, und hier vor allem der kostenlos verfügbare klima:aktiv-Kriterienkatalog.

Sprecher 3 / 2:
Christina Florit, Mitarbeiterin am IBO, dem Österreichischen Institut für Bauen und Ökologie, unterscheidet drei wesentliche Ziele, die mit dem Einsatz eines Gebäudebewertungssystems verfolgt werden: Gebäudebewertung als Qualitätsinstrument, als Planungsinstrument, und als Marketinginstrument:

Christina Florit:
Warum braucht man eigentlich Gebäudebewertung?
Als allererstes ist es ein starkes Qualitätsinstrument. Es werden verschiedene Messungen durchgeführt, wie zum Beispiel Schallmessungen, Innenraumluftmessungen, Blower-Door, das sind Luftdichtheitsmessungen, und das dient zur Kontrolle einer Wohnhausanlage. Und es hat auch einen positiven Nebeneffekt: Wenn die Leute auf der Baustelle wissen, dass kontrolliert wird, wird auch meistens automatisch besser gearbeitet, also das ist ein sehr positiver Nebeneffekt.
Eine Gebäudebewertung dient auch als Planungsinstrument. Man kann einen Kriterienkatalog nehmen als Leitfaden und sich die Ziele dann setzen.
Eindeutig ist eine Gebäudebewertung auch ein Marketinginstrument. Die Qualität wird mit Fakten gezeigt, der Wert der Immobilie steigt somit.
Für die Mieter oder Benutzer dieser Wohnhausanlage ist es auch eine Garantie; sie können vergleichen, wissen, wo sie stehen, oder wieviel sie ausgeben werden für Heizung.
Wie ist ein Gebäudebewertungssystem aufgebaut?

Gebäudebewertungssysteme bestehen aus folgenden drei Elementen:
Erstens - das Kriteriensystem: Die Kriterien beschreiben, welche Qualitäten beurteilt werden.
Zweitens - die Bewertungsskala: Sie beschreibt für jedes Kriterium, welche Ausprägungen der Eigenschaften als sehr gut und welche Ausprägungen als Mindestanforderung beurteilt werden und definiert die Stufen dazwischen.
Drittens - das Gewichtungssystem: Die Kriterien und Ausprägungen werden in eine Form übergeführt, in der sie zusammenfasst werden können.

Beispielsweise gibt es im klima:aktiv Bewertungsschema vier Kriterien (auch als Kategorien bezeichnet):
Planung und Ausführung
Energie und Versorgung
Baustoffe und Konstruktionen
Komfort und Raumluftqualität.
Diese Kriterien sind allerdings unterschiedlich gewichtet. Das Kriterium Energie und Versorgung hat bei klima:aktiv das bei weitem höchste Gewicht in der Gesamtbewertung. Hier können bis zu 600 Punkte bzw. 60% der maximalen Punkteanzahl von 1000 erreicht werden.
Total Quality Building, abgekürzt TQB, hingegen hat fünf Kriterien, die grundsätzlich denen von klima:aktiv sehr ähnlich sind. Allerdings sind die Kriterien mit jeweils 20% gleich gewichtet. Für jedes Kriterium können maximal 200 Punkte erreicht werden.

Teil 2: Die wichtigsten österreichischen Gebäudebewertungssysteme

Kurzbeschreibung: Die Systeme "klima:aktiv Bauen und Sanieren", "Total Quality Building" (TQB) und "IBO Ökopass" werden vorgestellt. Je nach Anwendungsfall eignet sich ein bestimmtes dieser Systeme. Für Wohnhäuser eignet sich "klima:aktiv Bauen und Sanieren" gut. Die klima:aktiv Standards sind samt Checklisten frei verfügbar, außerdem ist eine Selbstdeklaration möglich (man braucht keinen externen Zertifizierer). In Wien werden hingegen mittlerweile alle geförderten Wohnungen mit dem IBO Ökopass bewertet. Hier sind auch Messungen erforderlich, die im Standardfall nicht üblich sind (Schall, Baubiologie). Gebäudebewertungssysteme im Vergleich - Teil 2: Die wichtigsten österreichischen Gebäudebewertungssysteme

Die wichtigsten in Österreich entwickelten und angewandten Gebäudebewertungssysteme sind klima:aktiv Bauen und Sanieren, Total Quality Building (abgekürzt TQB) und der IBO Ökopass.

Das klima:aktiv Bewertungssystem wurde vom österreichischen Lebensministerium initiiert. Es handelt sich um eine Selbstdeklaration mit Plausibilitätsprüfung, d.h. der Planende übernimmt auch die Deklaration.
Die Hauptzielgruppe des klima:aktiv Systems liegt im Bereich der Einfamilienhäuser, es können aber auch größere Wohngebäude und Nicht-Wohngebäude wie Bürogebäude, Schulen oder Kindergärten bewertet werden.
Wie bereits erwähnt, liegt der Schwerpunkt der Bewertung bei klima:aktiv im Bereich Energie und Versorgung. Maximal können 1000 Punkte erreicht werden und es gibt drei Auszeichnungsstufen: Gold bei mehr als 900 Punkten, Silber bei mehr als 800 Punkten, Bronze, wenn alle klima:aktiv Basiskriterien erfüllt sind.

Der klima:aktiv Bildungskoordinator Johannes Fechner betont das Potenzial der Qualitätsverbesserung und Qualitätssicherung, wenn klima:aktiv in der Planung angewendet wird:

DI Johannes Fechner:
Das heißt, die Frage, wie man hier die Qualität verbessern kann, die stellt sich, und dazu gibt es ja inzwischen schon eine Reihe von Systemen.
In Österreich gut verfügbar ist die klima:aktiv Gebäudedeklaration mit den klima:aktiv Standards. Die sind frei verfügbar, es handelt sich um eine Eigendeklaration. D.h. der Planende übernimmt auch die Deklaration der Anforderungen. Und der Vorteil ist dann der, dass man damit auch eine Sammlung hat all der Nachweise, die geführt wurden.
Viele der Nachweise sind ohnehin über Normen, Baugesetze geregelt, wobei je nach Bundesland es aber oft so ist, dass bestimmte Nachweise nicht eingefordert werden. Und es macht eben einen Unterschied, ob ich behaupte, ein Gebäude ist luft- und winddicht oder ob ich wirklich eine Blower-Door-Messung gemacht habe und auch die entsprechenden Messwerte nachweisen kann.
Und da gibt es ein paar so Beispiele dafür, die zeigen, dass derartige Systeme mehr Klarheit und Transparenz über die Qualitäten bringen.
Man muss sich aber darüber auch klar sein, dass z.B. eine klima:aktiv Deklaration noch nichts über alle Bereiche der Ausführungsqualität, über Themen der Einregulierung von Heizsystemen usw., noch kein ausreichender Nachweis ist.
Deshalb haben wir dann noch eine zweite Linie entwickelt im klima:aktiv System, das sind die sogenannten Qualitätslinien, wo wir dann Checklisten entwickelt haben, die vom Erstgespräch über die Einholung von Kostenvoranschlägen, Auswahl von Angeboten bis hin zu Checklisten, was ist bei einer Abnahme zu beachten, führen - deshalb nennen wir das Qualitätslinien.

Total Quality Building, abgekürzt TQB, wurde von der ÖGNB, der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, entwickelt. Im Gegensatz zu klima:aktiv liegt bei TQB der Schwerpunkt auf großvolumigen Gebäuden.
Für Einfamilienhäuser ist es aufgrund ihrer geringen Kompaktheit relativ schwierig, die Anforderungen von TQB zu erfüllen. TQB und klima:aktiv sind allerdings kompatibel und bauen aufeinander auf.

TQB bewertet Wohn- und Dienstleistungsgebäude anhand von fünf Kriterien:
Standort und Ausführung
Technische Planungs- und Objektqualität
Energie und Versorgung
Baustoffe und Konstruktionen
Gesundheit und Komfort
In der Gesamtbilanz wird jedes Kriterium mit jeweils 20% bewertet. Im Vergleich zu klima:aktiv ist damit das Kriterium "Energie und Versorgung" für die Gesamtbilanz deutlich weniger wichtig, während die übrigen Kriterien entsprechend an Gewicht gewinnen.
Insgesamt können bei TQB maximal 1000 Punkte erreicht werden, für jedes einzelne Kriterium maximal 200 Punkte. Als Ergebnis gibt es eine Gesamtpunkteanzahl, allerdings keine Auszeichnungsstufen im Gegensatz zu klima:aktiv, wo es die Auszeichnungsstufen Gold, Silber und Bronze gibt.

Der IBO Ökopass wurde im Jahr 2000 vom IBO, dem Österreichischen Institut für Bauen und Ökologie, in Kooperation mit der Mischek Bauträgergruppe entwickelt.
Mittlerweile werden alle geförderten Wohnungen in Wien mit dem IBO Ökopass bewertet. Mit Stand April 2014 wurden bereits 12.000 Wohneinheiten in Wien einer Prüfung nach den Kriterien des IBO Ökopasses unterzogen.

Im IBO Ökopass sind acht Kriterien bzw. Kategorien erfasst:
Behaglichkeit im Sommer und Winter
Innenraumluftqualität
Tageslicht und Besonnung
Schallschutz
Elektromagnetische Qualität
Ökologische Qualität der Baustoffe und Konstruktionen
Gesamtenergiekonzept
Wassernutzung.
Der Schwerpunkt der Kriterien im IBO Ökopass liegt also im Bewohnerkomfort und der Bauökologie, also in der Bewertung, wie gesund und komfortabel es sich in einem bestimmten Gebäude wohnen lässt.
Für jedes Kriterium gibt es vier Auszeichnungsergebnisse: Ausgezeichnet, Sehr Gut, Gut und Befriedigend. Allerdings werden die Ergebnisse für die einzelnen Kriterien nicht zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst.

Messungen, die für den IBO Ökopass notwendig sind, erfolgen in der Errichtungsphase bis knapp vor der Übergabe der Wohnungen.

Christina Florit:
Wir messen bis kurz vor der Übergabe. Z.B. Schall messen wir laut Norm schon in der Rohbauphase, und Innenraumluftmessung, damit wir sinnvolle, keine gefälschten Messergebnisse bekommen, machen wir das kurz vor Übergabe, damit die Emissionen schon ausgelüftet sind hauptsächlich. Aber wir messen nicht nach der Errichtung, weil nach der Errichtung wären schon die Möbel drinnen zum Beispiel, es wird kein Nutzerverhalten gemessen. Und so kann man auch die Wohnungen untereinander vergleichen.

Teil 3: International verbreitete Gebäudebewertungssysteme

Kurzbeschreibung: Ein kurzer Überblick über die beiden Systeme LEED aus den USA und BREEAM aus Großbritannien sowie das System des deutschen DGNB, das in Österreich von der ÖGNB verwaltet wird. Bei LEED müssen unabhängig vom Gebäudestandort – also weltweit – immer die US-amerikanische Normen eingehalten werden. Der Abschluss einer Zertifizierung für diese Systeme ist im Vergleich zu klima:aktiv aufwändig, der Hauptanwendungsbereich liegt daher bei großvolumigen Gebäuden wie z. B. großen Bürohäusern ("-türmen"). Gebäudebewertungssysteme im Vergleich - Teil 3: International verbreitete Gebäudebewertungssysteme

LEED und BREEAM sind weltweit sehr verbreitete Gebäudebewertungs- und zertifizierungssysteme. LEED stammt aus den USA und hat Adaptionen in 69 Ländern, BREEAM stammt aus Großbritannien. Investmentfonds können international angebotene Gebäudezertifikate wie LEED oder BREEAM als Nachweis für die Aufnahme in einen Fonds anfordern.

LEED steht für "Leadership in Environmental and Energy Design" und wird vom US-amerikanischen Green Building Council betrieben.
In LEED werden fünf Haupt-Bewertungskriterien erfasst:
Flächennutzung
Wassernutzung
Energie und Atmosphäre
Materialien und Ressourcen
Qualität der Innenraumluft.
Der Schwerpunkt der Bewertung liegt auf den Kriterien "Energie und Atmosphäre" und "Flächennutzung". Zusätzlich zu diesen Hauptkriterien gibt es noch zwei Bonuskriterien, nämlich "Innovation und Planungsqualität" und "Regionale Priorität". Hier können noch 10 Bonuspunkte zusätzlich zu den maximal 100 Punkten in den Hauptkriterien erreicht werden.
Es gibt vier Auszeichnungsstufen: Zertifiziert, Silber, Gold, Platin.

Eine Besonderheit von LEED ist, dass hier US-amerikanische Normen eingehalten werden müssen, egal wo das LEED Gebäude errichtet wird.
Das mag auf den ersten Blick befremdlich wirken - offensichtlich wollten die Entwickler von LEED damit aber sicherstellen, dass mit LEED zertifizierte Gebäude weltweit die gleichen Mindeststandards erfüllen.

BREEAM steht für "Building Research Establishment Environmental Assessment Method", betrieben vom britischen Building Research Establishment.
BREEAM umfasst neun Bewertungskriterien, mit dem Schwerpunkt auf Energie und verschiedenen weiteren ökologischen Kriterien (wie Transport, Flächenbedarf, Materialien, Wasser, Abfall).
Maximal können 100 Punkte erreicht werden, und es gibt fünf Auszeichnungsstufen von "Gerade geschafft" (bzw. "Pass") bis zu "Hervorragend" ("Outstanding").

Sowohl für LEED als auch für BREEAM gilt, dass diese relativ aufwändige Systeme sind, die zahlreiche Messungen erfordern. Der Hauptanwendungsbereich liegt daher bei großvolumigen Gebäuden.

Ein weiteres internationales System wurde von der DGNB, der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, entwickelt. Vom DGNB Bewertungssystem bzw. Gütesiegel gibt es Adaptionen in verschiedenen Ländern. In Österreich ist dafür die ÖGNI, die Österreichische Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft, zuständig.
Vergleichbar mit LEED und BREEAM erfordert auch DGNB ein aufwändiges Prozedere, da zahlreiche Messungen für die Bewertung notwendig sind. DGNB wird daher hauptsächlich bei Dienstleistungsgebäuden angewendet.
Sechs Kriterien werden erfasst:
Ökologische Qualität
Ökonomische Qualität
Soziokulturelle und funktionale Qualität
Technische Qualität
Prozessqualität
Standortqualität
Die ersten vier Kriterien sind mit jeweils 22,5% gleich gewichtet, Prozessqualität ist mit 10% geringer gewichtet, die Standortqualität fließt als Einzelbewertung nicht in das Gesamtergebnis ein.
Es gibt drei Auszeichnungsstufen: Gold, Silber, Bronze.

Teil 4: Zusammenfassung und Ausblick

Kurzbeschreibung: Ein Überblick wird gegeben, welches der bisher vorgestellten Systeme für welchen Anwendungsfall am geeignetsten ist. Gebäudebewertungssysteme werden am Immobilienmarkt an Bedeutung zunehmen. Gebäudebewertungssysteme im Vergleich - Teil 4: Zusammenfassung und Ausblick

Gebäudebewertungssysteme erlauben die Bewertung und Auszeichnung von Gebäuden anhand eines Kriterienkatalogs. Die erfassten Kriterien bilden in der Regel die drei Säulen der Nachhaltigkeit ab (ökologische, soziale und ökonomische Dimension), wobei je nach Gebäudebewertungssystem unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.

Für Planerinnen und Planer ist dabei relevant, dass der Kriterienkatalog eines derartigen Systems als Leitlinie für die Planung dienen kann. Für Gebäudeeigentümer und Investoren dient ein Gebäudezertifikat zum Nachweis einer entsprechenden Gebäudequalität, erleichtert das Marketing eines Gebäudes und sichert einen entsprechenden Marktwert. Die Nutzerinnen und Nutzer erhalten Informationen zur Nutzungsqualität des Gebäudes.

Die wichtigsten in Österreich entwickelten Gebäudebewertungssysteme sind klima:aktiv, TQB und der IBO Ökopass.
Möchte ein Wohnbauträger demonstrieren, dass die angebotenen Wohnungen ein gesundes Raumklima aufweisen, dann ist der IBO Ökopass das adäquate Instrument der Wahl.
Mit TQB und klima:aktiv kann hingegen eher vermittelt werden, dass auf eine umfassende Optimierung der Gebäudequalität geachtet wurde. TQB ist eher für großvolumige, klima:aktiv eher für kleinvolumige Gebäude geeignet.
Für international tätige Konzerne sind LEED oder BREEAM interessant, wenn weltweit nach dem gleichen Standard gebaut werden soll (z.B. LEED Gold). Investoren orientieren sich daran, ob eine derartige Zertifizerung vorhanden ist. Investmentfonds können international angebotene Gebäudezertifikate wie LEED oder BREEAM als Nachweis für die Aufnahme in einen Fonds anfordern.

Christina Florit:
Was ist jetzt der Ausblick?
Tatsache ist, dass das Interesse an Nachhaltigkeit bei Gebäuden deutlich gestiegen ist und es wird weiterhin an Einfluss gewinnen.
Es lässt sich auch bereits absehen, dass nichtzertifizierte Gebäude (damit meine ich aber wirklich Dienstleistungsgebäude) mit einem Preisabschlag rechnen müssen. Das ist ein bißchen wie das Pickerl am Kühlschrank. Heutzutage findet man sehr schwer einen Kühlschrank mit einem B-Pickerl, diese Dynamik, dass nur die besten am Markt verkauft werden.
Für Dienstleistungsgebäude kann man einen Trend bei Investoren feststellen zu Doppelt- und Mehrfachzertifizierung.
Warum machen sie das?
Weil sie sehr oft ein nationales oder österreichisches Gebäudebewertungssystem mit den regionalen Merkmalen benutzen und ein internationales dazu für das Prestige. Weil es interessant ist, dass sie sich sehr genau überlegen, welches internationale - wenn sie das englische BREEAM wählen, würden sie ein bestimmtes Klientel anziehen, und wenn sie LEED wählen, mehr eine USA-Klientel anziehen. Das ist total studiert und das machen sie.
Diese Vielfalt wird sicherlich noch bleiben am Markt, weil jedes Gebäudesystem verschiedene Schwerpunkte hat, deswegen kann man sich das System aussuchen, das günstigere Bewertungen bringt.
Die Vielfalt verfügbarer Bewertungssysteme mit ihren unterschiedlichen Ansätzen und Vorgangsweisen ist einerseits ein Vorteil, weil man für unterschiedliche Arten von Bauvorhaben unterschiedliche Systeme zur Verfügung hat.
Andererseits ist die Vielfalt auch ein Hindernis für die Anwendung in größerer Zahl, da es Erfahrung und Insiderwissens bedarf.
Wir können jedenfalls den klima:aktiv Kriterienkatalog auf jeden Fall ans Herz legen, da er mit viel Sorgfalt entwickelt wurde und auch gratis verfügbar ist. Dazu gibt es auch Begleitchecklisten für einzelne Themen wie z. B. Lüftung. Wenn man also nicht viel Budget für eine externe Zertifizierung hat bzw. diese nicht braucht, hat man mit dem klima:aktiv Kriterienkatalog eine sehr gute Checkliste. Ist man die Checkliste selbst durchgegangen, ist der Schritt zur Selbstdeklaration dann nicht mehr weit.

Hilfreiche Quellen

  1. klima:aktiv Gebäudedeklaration. url: http://www.baubook.at/kahg/
  2. Total Quality Building. url: https://www.oegnb.net/tqb.htm
  3. IBO Ökopass. url: www.ibo.at/de/oekopass
  4. BREEAM (Building Research Establishment Assessment Method). url: http://www.breeam.com/
  5. LEED (Leadership in Energy and Environmental Design). url: http://www.usgbc.org/leed
  6. DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen). url: http://www.dgnb.de/
  7. Susanne Geissler. Das richtige Gütesiegel für den richtigen Zweck. 2011. url: https://www.oegnb.net/upload/file/Das_richtige_G%C3%BCtesiegel.pdf